Montagmorgen, 10 Uhr in der Redaktion. "Huch, was ist denn heute los?", begrüßt mich ein Kollege. Noch verschlafen vom Wochenende gucke ich in etwa so: Hä? Los? und sage leicht irritiert: "Nichts ist los." Ein verunsichertes Lächeln schicke ich noch hinterher. "Na, du bist so bunt heute." Verwirrt blickte ich an mir runter. Bunt? Ich trage ein weißes Shirt, meine Lederjacke und - ja gut - blaue Jeans. "Bunt? Ehm, naja.", bekomme ich gerade noch so raus - und setze mich an den Schreibtisch.
Kennt ihr das? Mir passiert das immer wieder. Diese Szene könnte sich wirklich überall abspielen. Im Job, in der Uni - ja selbst im Freundeskreis. Gut, ich bin kein Freund von Farben. Ich liebe schwarz, weiß und grau. Und manchmal - aber eher selten - an mir auch blau. Oder rot. Oder gelb. Manchmal trage ich (etwas) Farbe - und meine Umgebung ist verwirrt.
Gleichzeitig kann ich aber Hitlisten führen zum Thema: "Warum trägst du so viel schwarz?"
Meine Lieblinge: "Bist du ein Grufti?" Dicht gefolgt von: "Bist du traurig? Du trägst soviel schwarz." Oder: "Schwarz ist doch keine Farbe, trag doch mal was buntes."
Und immer wieder frage ich mich: Wenn jemand gerne Farben mixt und gelb mit pink und rot mit blau trägt, muss er sich doch auch nicht dauernd erklären. Ich finde auch 30-Jährige merkwürdig, die Hello-Kitty-Tshirts mit gepunkteten Leggings tragen, weil ich das nicht mal meinem (bisher nicht existierendem) einjährigen Kind zumuten würde. Aber so what?
Und nur weil es Farben gibt, muss ich sie doch nicht tragen. Oder etwa doch?
Fakt ist: Ich bin weder Grufti (was womöglich vielleicht doch witzig sein könnte), noch andauernd traurig (hin und wieder mal, aber sicher farbunabhängig), noch finde ich, dass Pink eine Farbe für mich ist - sondern viel mehr Schwarz. Im Grunde ist es total simpel: Ich mag schwarz. Und weiß. Und grau.
Warum also verwirrt es Leute, wenn man eher eintönig unterwegs ist?
Googelt man nach der Farbe Schwarz, taucht sofort ein ellenlanger Artikel bei Wikipedia auf. Hier wird erklärt:
Schwarz gehört zu den unbunten
Farben. Physikalisch gesehen ist „Schwarz“ also keine eigene Farbe, sondern
Absorption aller Spektren des Lichts und ist somit die „Abwesenheit von
Farben“.
Ist es also die Abwesenheit der Farben? Quasi nach dem Motto: Wenn es so viele tolle Farben gibt, sollte man sie auch nutzen? Und ja! Zum Glück gibt es Farben! Schwarz, weiß, graue Blumen fände ich jetzt auch eher unschön. Genauso wie ich viele tolle bunte Kleider toll finde - nur nicht an mir.
Scrollt man im Wikipedia-Artikel weiter runter, lernt man: Die Farbe Schwarz hat (ähnlich wie die Farbe Weiß) viele kulturelle Bedeutungen. Und es wird klar: Schwarz steht für Ernsthaftigkeit, Dunkelheit und Mystik, aber auch
für Hoffnungslosigkeit und Leere, Melancholie, und für Bezug zu
Trauer und Tod.
Doch gilt das immer in der Mode? Oder nur zu bestimmten, gesellschaftlichen Anlässen? Wie zu Hochzeiten und Beerdigungen. Wie tief verankert sind diese kulturellen Bedeutungen?
Ich bin modetechnisch definitiv minimalistisch, schlicht und "eintönig". Und wähle im Alltag nicht nach Bedeutung, sondern nach Gefallen aus. Ich mag es klar und schnörkellos. Und dazu gehören für mich eben schwarz, weiß, grau.
Und jetzt interessiert es mich: Wer kennt solche Situationen? Oder lebe ich vielleicht nur in einem sehr farbfixierten Kosmos? (haha).
Ja, diesmal ein nicht ganz so ernstes Thema als Kolumne. Ich habe noch ein paar Themen (ernst und unernst) in petto - freue mich aber auch über Themenvorschläge :) Also schreibt mir ruhig!
Collage via polyvore.com